Der Wecker klingelt früher als sonst, draußen zieht ein neuer Hafen ins Blickfeld und an Bord beginnt die Diskussion, die wohl jede Kreuzfahrt begleitet: Hat man lieber einen offiziellen Ausflug der Reederei gebucht oder ist es besser, seinen Tag an Land selbst zu planen?
Beides können schöne Ausflüge sein, daher gibt es ehrlicherweise auch keine pauschal richtige Antwort. Am meisten kommt es wohl darauf an, wer man ist, wie viel Zeit man hat – und wie viel Kontrolle man abgeben möchte. Mit den nachfolgenden Gedanken möchten wir Ihnen einen kleinen Einblick in die verschiedenen Möglichkeiten zu Landausflügen während einer Kreuzfahrt geben.

Bildrechte: Tourguide in Paris von Bernie Alamanzar
Der organisierte Ausflug: Bequemlichkeit hat ihren Preis
Wer über die Reederei bucht, kauft sich vor allem eines: Sicherheit. Der Bus wartet direkt am Pier, ein ortskundiger Guide erklärt die Sehenswürdigkeiten und sollte sich der Ausflug einmal verspäten, wartet das Schiff in der Regel auf die eigenen Gäste. Gerade bei Zielen, die man nur schwer allein erreicht – etwa entlegene Weinberge, Nationalparks oder Ausgrabungsstätten ohne öffentlichen Nahverkehr – ist das ein echter Vorteil.
Der Preis dafür ist buchstäblich einer: Reederei-Ausflüge sind fast immer teurer als eine vergleichbare Tour auf eigene Faust, manchmal um ein Vielfaches. Dazu kommt, dass man Teil einer größeren Gruppe ist, oft mit vorgegebenem Tempo und festen Fotostopps. Wer lieber spontan eine Gasse erkundet oder länger in einem Café verweilt, wird sich in diesem Korsett schnell eingeengt fühlen.

Bildrechte: Canal Tours Copenhagen von Joshi Milestoner
Auf eigene Faust: Freiheit mit Restrisiko
Wer den Hafentag selbst plant, gewinnt vor allem Flexibilität. Man entscheidet, wie lange man an einem Ort bleibt, was man sich ansieht und wie viel Geld man dafür ausgibt. In vielen Häfen – etwa in gut erschlossenen europäischen Städten – ist das problemlos machbar: Ein kurzer Fußweg oder eine Taxifahrt genügt und schon ist man mittendrin.
Das größte Risiko ist dabei die Zeit. Anders als bei offiziellen Ausflügen wartet das Schiff nicht auf individuell Reisende, die sich verspäten. Wer den Ablegetermin verpasst, muss auf eigene Kosten zum nächsten Hafen nachreisen – ein teures und stressiges Szenario. Wer auf eigene Faust unterwegs ist, sollte deshalb immer einen großzügigen Zeitpuffer einplanen und die Bordzeit lieber zu früh als zu spät antreten.

Bildrechte: Open Tour in Paris von Howard Walsh
Eine dritte Option: Lokale Anbieter abseits der Reederei
Zwischen beiden Extremen hat sich in den letzten Jahren eine dritte Variante etabliert: kleine, lokale Ausflugsanbieter, die man online im Voraus bucht, aber nicht über die Reederei.
Sie sind meist günstiger als die offiziellen Touren, bieten aber ebenfalls einen festen Ablauf und oft kleinere Gruppen. Der Haken: Verpasst man wegen einer Verspätung dieser Anbieter das Schiff, trägt man das Risiko meist ebenfalls selbst – ganz wie bei einem Ausflug auf eigene Faust.

Bildrechte: Tour in Kopenhagen von Waldemar Brandt
Was bei Problemen mit einem gebuchten Ausflug zählt
Egal, für welchen Weg man sich entscheidet: Wird ein Ausflug, der direkt über die Reederei als Teil der Pauschalreise gebucht wurde, erheblich anders durchgeführt als beschrieben – etwa weil eine zentrale Sehenswürdigkeit ganz entfällt oder der Ausflug ausfällt, ohne dass Ersatz angeboten wird – ist das kein Detail, das man einfach hinnehmen muss. Solche Abweichungen können einen Reisemangel darstellen, für den unter Umständen eine Entschädigung zusteht.
Genau solche Fälle prüfen wir bei CruiseLaw regelmäßig für Betroffene.
Schauen Sie also doch gerne auch mal auf unserer Informationsseite zu ausgefallenen Landausflügen vorbei.
Wer zum ersten Mal einen Hafen besucht, an einem Ziel ohne gute Infrastruktur anlegt oder einfach kein Risiko eingehen möchte, ist mit dem offiziellen Ausflug meist besser beraten. Wer dagegen schon Erfahrung hat, sich gerne selbst orientiert und in einer gut erreichbaren Stadt an Land geht, spart mit der Erkundung auf eigene Faust oft viel Geld – und gewinnt dazu ein Stück Freiheit, das sich kaum in Euro aufwiegen lässt.
Am Ende gilt: Es gibt keinen richtigen oder falschen Ansatz, nur den, der zum eigenen Reisestil passt. Wichtig ist nur, dass man sich vorher bewusst entscheidet – und nicht erst am Pier, wenn der Bus schon abfährt.