Ein Buffet mit Blick aufs Meer, frisch bezogene Betten und ein Pool, der zum Sprung einlädt. Sauberkeit gehört für die meisten Kreuzfahrtgäste zu den Dingen, über die man sich im Urlaub eigentlich keine Gedanken machen möchte. Umso mehr Aufmerksamkeit bekommen jedes Jahr die Berichte der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC, wenn ein Schiff bei einer Hygienekontrolle durchfällt.
2026 ist genau das einem bekannten Namen passiert und ein Blick auf die Zahlen zeigt: Zwischen picobello und problematisch liegt an Bord mitunter nur ein schmaler Grat. Wie sauber sind Kreuzfahrtschiffe also wirklich?
- Was ist das Vessel Sanitation Program des CDC
- Die Bilanz der ersten Jahreshälfte 2026
- Das einzig durchgefallene Schiff des Jahres: Norwegian Dawn
- Knapp bestanden: Carnival Breeze, Sun Princess, MSC Meraviglia und die Kydon
- Und wie wird in Deutschland und Europa kontrolliert?
- Wie schützen Sie sich auf hoher See?
- Sie hatten Probleme mit Ihrer Kreuzfahrt?

Bildrechte: Zwei RCI Schiffe im Hafen von Anju Ravindranath
Was ist das Vessel Sanitation Program des CDC
Jedes Kreuzfahrtschiff, das einen US-Hafen anläuft (egal unter welcher Flagge und egal, welche Reederei dahintersteckt) wird zweimal pro Jahr unangekündigt kontrolliert. Zuständig ist das Vessel Sanitation Programm, eine Abteilung der US-Gesundheitsbehörde CDC. Geprüft werden acht Bereiche: die Krankenstation, das Trinkwassersystem, Küchen und Restaurants, Pools und Whirlpools, die Kabinenreinigung, Schädlingsbekämpfung, Kinderbetreuungsbereiche sowie die Klimaanlagen.
Am Ende steht eine Punktzahl von maximal 100. Alles unter 86 Punkten gilt als nicht bestanden. Das Prinzip klingt streng und soll es auch bewusst sein. Denn auf einem Schiff mit mehreren tausend Menschen auf engem Raum kann sich eine Magen-Darm-Infektion binnen weniger Tage durch das gesamte Schiff ziehen. Diese Kontrollen sollen genau das verhindern.

Bildrechte: Kontrolle an Bord von Phil Hearing
Die Bilanz der ersten Jahreshälfte 2026
In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden 150 Inspektionen durchgeführt. Das Ergebnis fällt dabei größtenteils positiv aus: 42 Schiffe erreichten die volle Punktzahl von 100. Das sind deutlich mehr als in einem durchschnittlichen Jahr, in dem üblicherweise 25 bis 35 Schiffe über zwölf Monate hinweg eine perfekte Bewertung schaffen. Die überwiegende Mehrheit der Flotte, die amerikanische Häfen anlaufen, bewegt sich also auf einem hohen Niveau.
Auf der anderen Seite der Skala steht ein einziges Schiff, das die Prüfung nicht bestanden hat, sowie drei weitere, die nur denkbar knapp durchgekommen sind. Genau diese Fälle wollen wir uns heute genauer anschauen. Nicht um Panik zu machen, sondern weil sie sehr gut zeigen, woran es in der Praxis tatsächlich hakt.

Bildrechte: Norwegian Dawn vor Great Stirrup Cay von Stephan Bleister
Das einzig durchgefallene Schiff des Jahres: Norwegian Dawn
Am 29. März 2026 wurde die Norwegian Dawn im Hafen von Tampa kontrolliert und erreichte nur 84 Punkte, zwei Punkte unter der Bestehensgrenze. Die Prüfer dokumentierten insgesamt 48 Mängel. Dazu zählten Fruchtfliegen im Bereich des Mittagsbuffets, Kühlschränke, in denen die Temperatur deutlich zu hoch lag und schimmelartiger Belag am Boden von Getränkeregalen. Mehrere der Verstöße wurden als kritisches Gesundheitsrisiko eingestuft, unter Anderem unsachgemäß gelagerte Lebensmittel.
Bemerkenswert ist dabei die Vorgeschichte: Bei der vorherigen Kontrolle im November 2025 hatte dasselbe Schiff noch 96 Punkte erreicht. Norwegian Cruise Line reichte fünf Tage nach der Kontrolle einen 34-seitigen Maßnahmenplan bei der CDC ein und dokumentierte darin, wie jeder einzelne Mangel behoben wurde: Von tieferer Reinigung bis zur Reparatur defekter Kühltechnik.
Die Reederei reagierte also durchaus zügig. Das ändert aber nichts daran, dass Gäste genau in diesem Zeitraum an Bord und mit einer Reihe handfester Probleme konfrontiert waren.

Bildrechte: Pool auf einem Kreuzfahrtschiff von Steve Davison
Knapp bestanden: Carnival Breeze, Sun Princess, MSC Meraviglia und die Kydon
Auch wenn kein weiteres Schiff offiziell durchgefallen ist, zeigen einige Ergebnisse, dass Bestehen nicht gleich Bestehen ist.
Die Carnival Breeze startete das Jahr im Januar noch mit einer perfekten 100, rutschte im Mai jedoch auf 86 Punkte ab, die niedrigstmögliche Bestehensnote. 36 Mängel wurden festgestellt, überwiegend im Bereich der Lebensmittelsicherheit.
Bei der Sun Princess, einem vergleichsweise neuen Schiff, fielen den Kontrolleuren im Februar 55 Mängel auf, von verschmutzten Spuckschutz-Halterungen über falsch beschriftete Haltbarkeitszeiten bis zu fehlender Seife in einem Personal-WC. Das Schiff kam dennoch auf 89 Punkte, weil die meisten Verstöße als geringfügig eingestuft wurden.
Die MSC Meraviglia verbesserte sich zwar von 86 auf 89 Punkte, doch der CDC-Bericht spricht eine deutliche Sprache: Amr Hauptbuffet auf Deck 15 wurden wiederkehrende Mängel festgestellt, die auf fehlende Kontrollprozesse zurückgeführt wurden. Darunter war bspw. eine Spülmaschine, die keine ausreichende Desinfektionstemperatur erreichte.
Nicht nur Kreuzfahrtschiffe können betroffen sein: Die Kydon, eine Fähre zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik, kam mit 48 Mängeln ebenfalls nur auf 86 Punkte, darunter schimmelartige Rückstände in der Eismaschine.
Ein einzelner niedriger Wert bedeutet nicht automatisch, dass ein Schiff generell unsauber ist. Die Ergebnisse spiegeln immer eine Momentaufnahme an einem bestimmten Tag wider und viele Reedereien reagieren, wie die Beispiele zeigen, mit umfangreichen Nachbesserungen. Trotzdem sind die Berichte öffentlich einsehbar und lohnen vor der Buchung durchaus einen Blick, besonders wenn Sie ohnehin zwischen mehreren Schiffen oder Terminen schwanken.

Bildrechte: HafenCity in Hamburg von Susanne Schröder
Und wie wird in Deutschland und Europa kontrolliert?
Die CDC-Berichte sind so auffällig, weil sie öffentlich einsehbar sind und mit einer klaren Punktzahl arbeiten. Wer als deutscher Urlauber auf zumeist AIDA, Mein Schiff oder einem anderen Schiff unterwegs ist, wird ein vergleichbares Ranking allerdings vergeblich suchen. Kontrolliert wird natürlich trotzdem, nur anders.
Die Grundlage ist weltweit dieselbe: Nach den Internationalen Gesundheitsvorschriften der WHO muss jedes Schiff (egal unter welcher Flagge) alle sechs Monate hinsichtlich seiner Schiffshygiene überprüft werden. Zuständig sind in Deutschland die sogenannten Hafenärztlichen Dienste, die den Gesundheitsämtern der jeweiligen Hafenstädte und Landkreise angegliedert sind, etwa in Kiel, Flensburg oder Rostock. Ihre Aufgabe reicht von der Prüfung der Trinkwasserqualität über die Begehung von Küchen und Lebensmittelbereichen bis zur Schädlingsbekämpfung und Abfallentsorgung an Bord. Fällt die Kontrolle zufriedenstellend aus, stellt die Behörde eine Schiffshygienebescheinigung aus. Ergänzend greift für Speisen und Küchenbetrieb an Bord dasselbe Lebensmittelrecht wie an Land, die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden können hier ebenfalls tätig werden, wenn ihnen Hinweise auf Mängel vorliegen.
Der entscheidende Unterschied zum amerikanischen System liegt also nicht darin, dass in Europa weniger kontrolliert würde, sondern großtenteils nur darin, dass die Ergebnisse hierzulande nicht in Form einer öffentlichen Punktzahl im Internet landen. Es gibt zwar mit SHIPSAN ein von der EU gefördertes Programm, das europaweit einheitliche Hygienestandards und Empfehlungen für Passagierschiffe entwickelt hat. Eine mit dem Vessel Sanitation Program vergleichbare, für jedermann einsehbare Bewertungsdatenbank existiert aber nicht. Wer vor der Buchung eines deutschen Schiffs also kurz googeln möchte, wie es um die Hygiene bestellt ist, findet leider keine offizielle Quelle – wir von CruiseLaw informieren natürlich trotzdem!
Übrigens: Auch deutsche und europäische Reedereien sind nicht automatisch außen vor, sobald ihre Schiffe amerikanische Häfen anlaufen. Die MS Amadea, ein kleineres deutsches Schiff mit rund 600 Passagieren, erreichte im Februar ebenfalls nur 86 Punkte. Zu niedrige Chlorwerte in Pool und Whirlpool sowie unzureichend abgedeckte Speisen gehörten zu den Beanstandungen. Die fehlende Transparenz gilt also in erster Linie für Kreuzfahrten, die ausschließlich in Europa stattfinden.
Für Passagiere bedeutet das im Ergebnis: Die fachliche Kontrolle findet statt, sie ist über internationales Recht sogar verbindlich vorgeschrieben. Nur die Möglichkeit, sich als Verbraucher vorab selbst ein Bild zu machen, fehlt in Europa weitgehend. Umso wichtiger wird es, im Fall einer tatsächlichen Erkrankung an Bord die eigenen Rechte zu kennen, denn auf eine öffentliche Warnliste kann man sich hier nicht verlassen.

Bildrechte: Frau an Bord eines Kreuzfahrtschiffes von Johnny Ho
Wie schützen Sie sich auf hoher See?
Wer während einer Kreuzfahrt an einer Magen-Darm-Erkrankung, einer Lebensmittelvergiftung oder anderen Beschwerden leidet, die nachweislich auf mangelhafte Hygiene an Bord zurückzuführen sind, steht rechtlich nicht schutzlos da. Reedereien haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Gästen und wenn diese verletzt wird, etwa durch verunreinigtes Trinkwasser, verdorbene Speisen oder unzureichend gereinigte Sanitärbereiche, kann das Grundlage für Minderungs- oder Schadensersatzansprüche sein.
Genau in solchen Fällen unterstützt CruiseLaw Betroffene dabei, Ansprüche gegenüber der Reederei durchzusetzen: Von der Reisepreisminderung bis zum Ersatz für entgangene Urlaubsfreude, wenn ein Krankheitsausbruch den Trip spürbar beeinträchtigt hat.
Entscheidend ist dabei häufig die Dokumentation. Wer während der Reise erkrankt, sollte sich möglichst zeitnah beim Bordarzt vorstellen, sich die Behandlung schriftlich bestätigen lassen und, falls andere Passagiere ähnliche Symptome zeigen, dies ebenfalls festhalten. Solche Nachweise erleichtern es später erheblich, einen Zusammenhang zwischen dem Krankheitsfall und möglichen Hygienemängeln herzustellen, gerade wenn ein CDC-Bericht ohnehin schon Auffälligkeiten für den betreffenden Zeitraum dokumentiert.
Im besten Fall ist eine Krankheit natürlich komplett zu vermeiden. Das eigene Erkrankungsrisiko an Bord lässt sich dabei mit ein paar einfachen Gewohnheiten spürbar senken: Regelmäßiges Händewaschen, besonders vor dem Essen, ist nach wie vor die wirksamste Einzelmaßnahme gegen Magen-Darm-Infekte. Die Desinfektionsspender am Eingang zu Buffetbereichen sind kein nettes Extra, sondern sollten tatsächlich genutzt werden. Bei Buffets lohnt ein Blick darauf, ob Warmhaltebehälter tatsächlich warm sind und Kühlvitrinen kalt bleiben.
Wer erste Symptome bemerkt (egal ob bei sich selbst oder der Kabinennachbarschaft) sollte das umgehend dem Bordpersonal melden. Frühzeitige Meldungen helfen der Crew, größere Ausbrüche einzudämmen und schützen damit auch alle anderen Gäste.
Sie hatten Probleme mit Ihrer Kreuzfahrt?
Krankheiten an Bord sind immer schwierig für alle Betroffenen. Wo ein ausgefallener Hafen in der Vielzahl an Fällen ein klarer Mangel ist, ist die Situation bei Krankheiten deutlich komplexer. Wir versuchen natürlich trotzdem, Ihnen zu helfen!
Sollten Sie an Bord krank geworden sein, können Sie sich gerne bei uns melden und Ihre Entschädigung prüfen.
Die Zahlen für 2026 zeigen ein differenziertes Bild: Die Kreuzfahrtbranche insgesamt hält ein bemerkenswert hohes Hygieneniveau, mit deutlich mehr Bestnoten als im langjährigen Schnitt. Gleichzeitig belegen Fälle wie der der Norwegian Dawn, dass auch etablierte Reedereien nicht vor Ausrutschern gefeit sind.
Für Reisende bedeutet das vor allem eines: Es lohnt sich, die eigenen Rechte zu kennen, statt eine unangenehme Urlaubserinnerung einfach hinzunehmen.