Der Kreuzfahrttourismus boomt und zieht Millionen von Passagieren jährlich in Häfen auf der ganzen Welt. Doch während der Tourismus in den Städten und an den Küsten floriert, hinterlässt er auch seine Spuren: Verschmutzung, überlastete Infrastruktur und sonstige negative Auswirkungen auf die Umwelt. Um diese Folgen abzumildern, führen immer mehr Länder und Städte Kreuzfahrtsteuern ein – oder diskutieren zumindest darüber.
Diese Steuern sollen nicht nur den finanziellen Beitrag der Reisenden zu den Kosten des Massentourismus sichern, sondern auch einen Anreiz schaffen, nachhaltiger zu reisen und die touristische Belastung von beliebten Zielen zu begrenzen. Doch was bedeutet das konkret für die Kreuzfahrtpassagiere? Wie wirken sich diese Abgaben auf den Gesamtpreis einer Reise aus, und welche Regionen sind besonders aktiv in der Diskussion? Werfen wir zusammen einen Blick auf einige aktuelle Entwicklungen und schauen uns an, was dies für die Zukunft des Kreuzfahrttourismus bedeuten kann.
- Was ist die (Öko-)Steuer für Kreuzfahrtpassagiere überhaupt?
- Griechenland: Kreuzfahrtsteuer für Santorin und Mykonos
- Frankreich: Umweltabgabe pro Hafenanlauf
- Sie hatten Probleme mit Ihrer Kreuzfahrt?
- Hawaii: Klima- und Tourismussteuer vorerst gestoppt
- Mexiko: Stufenweise Einführung einer Passagierabgabe
- Norwegen: Kommunale Besucherabgaben
- Hatten Sie ein Problem an einem anderen Hafen?

Bildrechte: Gestapelte Münzen von Towfiqu Barbhuiya
Was ist die (Öko-)Steuer für Kreuzfahrtpassagiere überhaupt?
Eine Ökosteuer für Kreuzfahrtpassagiere ist eine Abgabe, die von Städten, Regionen oder Staaten erhoben wird, um die ökologischen und infrastrukturellen Folgen des Kreuzfahrttourismus abzufedern. Da Kreuzfahrtschiffe erheblich zur Luftverschmutzung, zu CO₂-Emissionen und zur Belastung sensibler Küsten- und Stadtgebiete beitragen, sollen Passagiere und Reedereien einen finanziellen Beitrag zur Kompensation dieser Auswirkungen leisten. Die Ausgestaltung der Steuer variiert je nach Region. Häufig wird ein fester Betrag pro Passagier und Hafenanlauf erhoben, teilweise auch ein prozentualer Zuschlag auf den Reisepreis. In der Praxis wird die Steuer bisher meist von den Reedereien eingezogen und über den Ticketpreis oder sonstige Nebenkosten an die Passagiere weitergegeben.
Für Kreuzfahrtpassagiere bedeutet eine solche Steuer in erster Linie höhere Gesamtkosten für ihre Reise. Auch wenn der Einzelbetrag oft überschaubar wirkt, summieren sich die Abgaben bei Routen mit mehreren Hafenstopps schnell – genau die Art von Route, die von den meisten Reisenden bevorzugt wird. Die Steuer erscheint häufig als zusätzlicher Posten in den Steuern und Gebühren des Reisepreises und ist damit für Reisende nicht immer auf den ersten Blick transparent.
Langfristig soll damit jedoch nicht nur ein wirtschaftliches Ziel verfolgt werden: Durch höhere Kosten sollen besonders stark frequentierte Ziele entlastet und nachhaltigere Reiseformen attraktiver gemacht werden. Zudem soll das Bewusstsein der Passagiere für die ökologischen und sozialen Folgen des Kreuzfahrttourismus gestärkt werden – insgesamt wird also auch eine lenkende Wirkung gesehen. Ob diese tatsächlich eintritt, wird sich zeigen.

Bildrechte: Mykonos von Jeet Dhanoa
Griechenland: Kreuzfahrtsteuer für Santorin und Mykonos
Griechenland erhebt auf besonders stark frequentierten Inseln wie Santorin und Mykonos eine saisonal gestaffelte Kreuzfahrtsteuer, die in der Hochsaison bis zu 20 Euro pro Passagier betragen kann. Ziel ist es, Einnahmen für Infrastruktur, Abfallentsorgung und Schutzmaßnahmen zu generieren. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Auswirkung: Kostet eine einwöchige Mittelmeer-Kreuzfahrt mit Stopps in mehreren Häfen rund 1.200 Euro pro Person, erhöht sich der Reisepreis bei einem Halt auf jeweils Santorin und Mykonos in der Hochsaison um bis zu 40 Euro pro Person zusätzlich. Der prozentuale Aufschlag auf den Gesamtpreis bleibt zwar gering, wird aber bei Familien oder mehreren Hafenstopps deutlich spürbarer.

Bildrechte: Nizza von Arno Smit
Frankreich: Umweltabgabe pro Hafenanlauf
Auch Frankreich plant eine mit Griechenland vergleichbare Umweltabgabe von 15 Euro pro Kreuzfahrtpassagier und Hafenanlauf, die vor allem dem Küsten- und Umweltschutz dienen soll. Die Steuer wird unabhängig von der Dauer des Aufenthalts fällig und betrifft somit jeden Landgang gleichermaßen. Bei einer typischen siebentägigen West- oder Mittelmeer-Kreuzfahrt mit zwei französischen Hafenstopps, beispielsweise in Marseille und Nizza, würden zusätzlich 30 Euro pro Person anfallen. Bei einer Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern erhöht sich der Reisepreis damit um insgesamt 120 Euro. Kritiker sehen hierin eine spürbare Mehrbelastung, während Befürworter argumentieren, dass die Kosten im Verhältnis zu den Umweltfolgen moderat bleiben.
Sie hatten Probleme mit Ihrer Kreuzfahrt?
Steuerliche Abgaben sind grundsätzlich nicht als Reisemangel zu werten. Der Reiseveranstalter ist jedoch verpflichtet, Sie vor Abschluss des Reisevertrags über einige wesentliche Punkte zu informieren. Dazu zählt nicht nur der Reispreis als solcher. Auch sämtliche zusätzlichen Gebühren, Entgelte und sonstigen Kosten sind Ihnen, soweit möglich, vorab mitzuteilen – dazu gehören auch die in diesem Beitrag angesprochenen Steuern. Wenn dies nicht in der vorgeschriebenen Form geschieht, dann dürfen Ihnen diese zusätzlichen Gebühren, Entgelte und sonstigen Kosten nicht berechnet werden.
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Bildrechte: Waikiki-Strand in Honolulu, Hawaii von AussieActive
Hawaii: Klima- und Tourismussteuer vorerst gestoppt
In Hawaii war eine Klima- und Tourismussteuer geplant, die unter Anderem auch Kreuzfahrtpassagiere betreffen sollte. Vorgesehen war dabei eine Abgabe von rund elf Prozent auf den Kreuzfahrtpreis, ergänzt durch mögliche regionale Zuschläge. Auch wenn die Steuer vor kurzem durch eine Klage derCruise Lines International Association (CLIA) gestoppt wurde, zeigt das geplante Modell deutlich, welche finanziellen Effekte entstehen könnten. Kostet eine Hawaii-Kreuzfahrt mit Inselhopping etwa 2.800 Euro pro Person, hätte allein die geplante Steuer einen Aufschlag von rund 308 Euro bedeutet. Mit zusätzlichen regionalen Abgaben hätte sich der Gesamtzuschlag auf über 350 Euro erhöhen können. Im Vergleich zu europäischen Modellen wäre dies eine der deutlichsten finanziellen Mehrbelastungen für Passagiere gewesen.

Bildrechte: Cozumel von Alisa Matthews
Mexiko: Stufenweise Einführung einer Passagierabgabe
Mexiko führt schrittweise eine neue Abgabe für Kreuzfahrtpassagiere ein, beginnend mit einem niedrigen Betrag, der in den kommenden Jahren sukzessive ansteigen soll. Ziel ist es, die Branche nicht abrupt zu belasten und dennoch langfristig zusätzliche Einnahmen für Hafen- und Tourismusinfrastruktur zu erzielen. Bei einer typischen Karibik-Kreuzfahrt mit Mexiko-Stopps fällt zunächst ein Zuschlag von umgerechnet rund 5 US-Dollar, also weniger als fünf Euro, an. Bisher ist geplant, dass die Abgabe bis 2028 auf rund 21 US-Dollar ansteigen soll. Damit bleibt die Steuer auch langfristig moderat, gewinnt aber bei den hohen Passagierzahlen an Mexikos Ostküste wirtschaftlich extrem an Bedeutung.

Bildrechte: Bergen von Yuhao Jiang
Norwegen: Kommunale Besucherabgaben
Norwegen ermöglicht es Gemeinden mit starkem Tourismusaufkommen, eine Besucherabgabe von etwa drei Prozent zu erheben, die auch Kreuzfahrtpassagiere betrifft. Die Höhe kann je nach Kommune variieren und richtet sich häufig nach dem Wert der touristischen Leistung. Bei einer typischen siebentägigen Norwegen-Kreuzfahrt für rund 1.800 Euro pro Person würde eine dreiprozentige Abgabe etwa 54 Euro ausmachen. Dieser Betrag kann sich erhöhen, wenn mehrere Gemeinden entlang der Route eigene Abgaben erheben. Für Passagiere ist dabei neben der finanziellen Mehrbelastung insbesondere die deutlich weniger transparente Kostenstruktur spürbar, da die endgültige Höhe stark von der konkreten Route und den lokalen Verwaltungen abhängt.
Hatten Sie ein Problem an einem anderen Hafen?
Die Diskussion um Kreuzfahrtsteuern wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter ausweiten. In Europa prüfen Länder wie Spanien, Italien und Portugal zusätzliche Abgaben, häufig mit dem Ziel, den Massentourismus in besonders beliebten Hafenstädten einzudämmen. Auch in der Karibik und in Lateinamerika mehren sich Initiativen, Kreuzfahrtpassagiere stärker an den Kosten für Infrastruktur und Umweltschutz zu beteiligen. Die Rechenbeispiele zeigen, dass die meisten Modelle keinen drastischen Preissprung verursachen, aber in der Summe natürlich spürbar werden können. Gleichzeitig verdeutlichen sie, wie unterschiedlich die politischen Ansätze sind: von symbolischen Beiträgen bis hin zu klar lenkenden Preissignalen.
Langfristig deutet vieles darauf hin, dass Kreuzfahrten zunehmend in umfassendere Nachhaltigkeits- und Klimastrategien eingebettet werden. Öko-Steuern könnten dabei zu einem festen Bestandteil der Preisstruktur werden und die Wahl von Routen, Schiffen und Reisezeiten stärker beeinflussen. Ob diese Maßnahmen tatsächlich zu einer nachhaltigeren Entwicklung des Kreuzfahrttourismus führen, wird jedoch maßgeblich davon abhängen, wie transparent die Verwendung der Einnahmen ist und wie konsequent ökologische Ziele verfolgt werden.